Ghosting: Neue Erkenntnisse zum Dating-Phänomen

    Maria Hutmacher
    Maria Hutmacher

    Ghosting, das abrupte Beenden von sozialen Interaktionen, ist eine weit verbreitete Praxis. Eine Studie enthüllt, dass dahinter oft gute Absichten stecken.

    schwarze frau schaut traurig auf ihr handy, bücherregal im hintergrund
    Eine neue Studie besagt, dass die Absichten von Menschen, die ghosten, nicht so arglistig sind, wie bisher angenommen. - Depositphotos

    Ein Forscherteam hat sich aufgemacht, Ghosting unter die Lupe zu nehmen. Ihre Motivation war nicht nur wissenschaftlicher Natur. Durch eine Reihe von Pilotstudien konnten die Wissenschaftler feststellen, dass Ghosting einzigartige Merkmale aufweist.

    Es unterscheidet sich deutlich von anderen Formen sozialer Ablehnung. Es tritt in verschiedensten Arten von Beziehungen auf – ob familiär, freundschaftlich, professionell oder romantisch.

    Acht Experimente entschlüsseln das Phantom-Phänomen

    Mithilfe einer Serie von acht Experimenten gingen die Forscher den psychologischen Dynamiken des Ghostings auf den Grund. In ihrem ersten Versuch stellten sie Erstaunliches fest:

    Personen, welche geghosted wurden, neigten dazu, das Interesse und die Sorge der Ghoster für ihr Wohlbefinden zu unterschätzen. In einem weiteren Experiment wurde eine Online-Chat-Schnittstelle verwendet.

    mann vor hellblauem hintergrund, rennt davon
    Häufig neigen Menschen dazu, die Besorgnis ihrer Ghoster zu unterschätzen. - Depositphotos

    Es zeigte sich erneut, dass Betroffene das Ausmass an Empathie seitens der Ghoster unterschätzten. Trotz des unerwünschten Verhaltens sorgten sich die Ghoster tatsächlich mehr um ihre «Opfer», als diese annahmen.

    Ghosting: Eine Frage von Kosten und Nutzen?

    Eine weitere Studie testete, ob Ghoster bereit wären, einen Preis zu zahlen, um ein direktes Ignorieren zu vermeiden. Viele waren tatsächlich gewillt, dafür aufzukommen.

    Ein deutlicher Hinweis auf ihre echte Besorgnis über die Gefühle der «Geisterseher». Aber auch hier schätzten die Betroffenen das Engagement ihrer «Geister» falsch ein.

    Weitere Untersuchungen ergaben unter anderem, dass Motive wie das Vermeiden von Schmerz durch explizite Ablehnung oft eine Rolle spielen. Auch wenn den Ghostern bewusst war, dass sie mit ihrem Verhalten Schmerz verursachen könnten.

    Die Komplexität hinter dem Phantom

    Es änderte nichts an der Tatsache: Die Empathie wurde von den Betroffenen systematisch unterschätzt. Trotz all dieser Erkenntnisse bleibt noch viel Forschungsarbeit übrig.

    schwarze frau schaut traurig, auf weissem tisch liegend, auf telefon
    Oft sind wir nicht allein Opfer, sondern auch Täter: Wir werden nicht nur geghosted – häufig ghosten auch wir aktiv andere Menschen. - Depositphotos

    Zukünftige Studien könnten etwa Wege untersuchen, wie die negativen Auswirkungen des Ghostings gemildert werden können. Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, Betroffene dazu zu ermutigen, sich in die Perspektive der Ghoster hineinzuversetzen.

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